Lebensmittel online bestellen: Die besten Lieferdienste im Vergleich
Den Wocheneinkauf vom Sofa aus erledigen klingt verlockend. Aber lohnt sich das auch? Die Anbieter unterscheiden sich bei Lieferkosten, Mindestbestellwert und Sortiment stärker, als die meisten vermuten. Wir haben die großen Lebensmittel-Lieferdienste in Deutschland verglichen und geprüft, bei wem Du am Ende wirklich weniger zahlst.
Was kostet die Lieferung? Der Zahlenvergleich
Bevor es um Sortiment und Qualität geht, die Frage, die alle bewegt: Was kosten Lieferung und Mindestbestellwert? Die Unterschiede sind erheblich.
| Anbieter | Lieferkosten | Mindestbestellwert | Liefergebiet | Besonderheit |
|---|
| REWE Lieferservice | 2,90-5,90 € | 50 € | Ballungsräume | Zeitfenster wählbar |
| EDEKA24 | 4,99 € (frei ab 75 €) | keiner | bundesweit | nur haltbare Ware |
| Knuspr | 1,80-3,90 € | 34 € | München, Frankfurt, Berlin | 3-Stunden-Fenster |
| myTime | 4,99 € (frei ab 75 €) | keiner | bundesweit | über 13.000 Artikel |
| eismann | 0 € ab 40 € | keiner | bundesweit | nur Tiefkühlware |
| HelloFresh | im Preis enthalten | ab ca. 40 € | bundesweit | Kochboxen mit Rezept |
| Marley Spoon | im Preis enthalten | ab ca. 45 € | bundesweit | Kochboxen, gehoben |
| Lidl | 3,99 € (frei ab 59 €) | keiner | bundesweit | Non-Food-Fokus |
Auf den ersten Blick wirken die Lieferkosten überschaubar. Aber rechne die Kosten pro Monat hoch: Bei vier Wocheneinkäufen zahlst Du bei REWE zwischen 11,60 und 23,60 Euro allein für die Lieferung. Bei Knuspr sind es 7,20 bis 15,60 Euro. Das entspricht einem halben Wocheneinkauf, den Du nur für den Transport zahlst. Und der Mindestbestellwert hat seine eigene Tücke: Wer bei REWE unter 50 Euro bleibt, zahlt einen Kleinbestellzuschlag obendrauf. Der „schnelle Einkauf für Dienstagabend" wird so zum teuren Vergnügen.
REWE Lieferservice: Der Platzhirsch mit Haken
REWE ist der bekannteste Name unter den Lebensmittel-Lieferdiensten, und das Sortiment spiegelt das wider: über 10.000 Produkte, darunter Frischware, Tiefkühlkost, Drogerieartikel und Bio-Produkte. Die Preise im Online-Shop entsprechen weitgehend denen im stationären Markt, was nicht selbstverständlich ist. Einige Anbieter schlagen online 10-15 % auf den Ladenpreis drauf.
Der Haken: Verfügbarkeit. Der REWE Lieferservice deckt Ballungsräume ab, aber wer ländlich wohnt, schaut in die Röhre. Die Zeitfenster für die Lieferung sind zu Stoßzeiten (Samstag, Abend) schnell ausgebucht. Wer flexibel ist und unter der Woche bestellen kann, bekommt seinen Einkauf zuverlässig. Wer den Samstag braucht, sollte drei bis vier Tage vorher buchen.
Die Qualität der Frischware schwankt. Obst und Gemüse werden im Lager kommissioniert, nicht von Dir selbst ausgewählt. Die Bananen sind manchmal grüner als gewünscht, die Avocado härter als erhofft. Auf Reklamationen reagiert REWE kulant, ein Klick in der App genügt für eine Gutschrift. Trotzdem: Wer bei Frischware wählerisch ist, wird den Supermarkt vor Ort nicht komplett ersetzen wollen.
Was viele nicht wissen: REWE bietet auch eine Abholstation an. Du bestellst online, ein Mitarbeiter packt alles zusammen, und Du fährst nur noch kurz vorbei. Keine Liefergebühr, kein Zeitfenster abpassen. Für alle, die zwar nicht durch die Gänge laufen wollen, aber ohnehin mit dem Auto unterwegs sind, ist das der beste Kompromiss.
EDEKA24 und myTime: Haltbare Ware, bundesweit
EDEKA24 und myTime verfolgen ein anderes Konzept. Beide liefern bundesweit, aber nur haltbare Ware: Konserven, Nudeln, Reis, Getränke, Süßwaren, Drogerieartikel. Keine Frischware, kein Obst, kein Gemüse, kein Fleisch.
Das klingt nach Einschränkung, hat aber einen konkreten Vorteil: Du musst nicht zu Hause sein. Die Pakete kommen per DHL oder Hermes. Kein Zeitfenster buchen, kein Warten auf den Lieferfahrer, keine Sorge um die Kühlkette. Und ab 75 Euro entfallen die Versandkosten komplett.
Für wen ergibt das Sinn? Für Getränkekisten. Wer regelmäßig sechs Kisten Wasser oder Bier nach Hause schleppt, spart sich den Rücken und oft auch den Preis. Eine Kiste Gerolsteiner kostet bei EDEKA24 genauso viel wie im Supermarkt, aber Du trägst sie nicht selbst. Ab 75 Euro ist der Versand frei, und mit vier Kisten plus ein paar Konserven bist Du schnell drüber. Das spart pro Monat locker 20-30 Minuten und ein paar schmerzende Unterarme.
myTime hat ein ähnliches Modell, aber ein breiteres Sortiment: rund 13.000 Artikel, darunter auch Spezialitäten und internationale Produkte, die es im lokalen EDEKA oft nicht gibt. Wer gezielt italienisches Olivenöl, japanische Sojasoße oder eine bestimmte Teesorte sucht, wird bei myTime eher fündig. Die Preise liegen bei beiden Anbietern auf Supermarkt-Niveau, vereinzelt sogar leicht darunter, besonders bei Aktionsware.
Ein Nachteil, den beide teilen: Die Lieferung dauert 2-4 Werktage. Für den spontanen Einkauf taugt das nicht. Die Kombination funktioniert besser als Ersatz für den monatlichen Großeinkauf: Alles Schwere und Haltbare per Paket, Frisches weiterhin im Laden um die Ecke.
Knuspr: Schnelle Frische, begrenztes Gebiet
Knuspr ist ein Online-Supermarkt mit einem anderen Versprechen: Lieferung innerhalb von drei Stunden, mit allem, was ein vollständiger Wocheneinkauf braucht. Über 15.000 Produkte, darunter Frischware, Molkerei, Fleisch, Brot und Drogerie. Der Mindestbestellwert liegt bei 34 Euro, die Lieferkosten bei 1,80 bis 3,90 Euro, je nach Zeitfenster.
Der Preis für diese Geschwindigkeit: Knuspr liefert bislang nur in München, Frankfurt und Berlin. Wer dort wohnt, bekommt einen Service, der dem stationären Supermarkt in vielen Punkten überlegen ist. Die App ist gut sortiert, die Substitutionsvorschläge bei ausverkauften Produkten funktionieren, und die Fahrer klingeln pünktlich. Wer anderswo wohnt, wartet noch.
Bei den Preisen positioniert sich Knuspr nicht als Discounter. Ein Liter Bio-Milch kostet 1,59 Euro, reguläre Milch 1,19 Euro. Das ist nicht teurer als bei REWE, aber auch nicht günstiger. Der Vorteil liegt im Zeitgewinn, nicht im Preisvorteil. Rechne mal nach: Ein Supermarktbesuch inklusive Fahrt, Parkplatzsuche und Schlangestehen kostet 45-60 Minuten. Wenn Du Deine Zeit mit 15 Euro pro Stunde bewertest, sind die 3 Euro Liefergebühr bei Knuspr ein Schnäppchen.
Unser Tipp: Bei Knuspr lohnt sich die Kombination aus knappem Bestellwert und unbeliebtem Zeitfenster. Bestelle für etwas mehr als 34 Euro und wähle Dienstag oder Mittwoch, 10-13 Uhr. Dann zahlst Du nur 1,80 Euro Liefergebühr, weniger als ein Einzelfahrschein in den meisten deutschen Großstädten.
Kochboxen: HelloFresh und Marley Spoon
HelloFresh und Marley Spoon sind streng genommen keine Lieferdienste für den Wocheneinkauf. Sie liefern portionierte Zutaten plus Rezeptkarte für eine festgelegte Anzahl Mahlzeiten pro Woche. Das Konzept richtet sich an alle, die kochen wollen, aber keine Lust auf Menüplanung und Einkaufsliste haben.
Die Kosten: Bei HelloFresh zahlst Du ab 4,60 Euro pro Portion bei der größten Box (4 Personen, 5 Gerichte). Bei Marley Spoon liegt der Einstieg bei rund 5,20 Euro pro Portion. Klingt günstig, aber Vorsicht: Das sind die Preise für das größte Paket. Bei kleineren Boxen (2 Personen, 3 Gerichte) steigt der Portionspreis auf 7-9 Euro. Ein vergleichbares Gericht selbst eingekauft und gekocht kommt auf 3-5 Euro pro Portion, je nach Rezept.
HelloFresh ist also nicht günstiger als selbst einkaufen. Das Versprechen ist ein anderes: weniger Planung, weniger Lebensmittelverschwendung (weil die Zutaten genau portioniert sind), und die Möglichkeit, neue Gerichte auszuprobieren, ohne zehn Gewürze kaufen zu müssen, von denen neun im Schrank verstauben.
Marley Spoon setzt auf gehobene Rezepte und arbeitet mit Köchen zusammen. Die Qualität der Zutaten ist spürbar besser: Bio-Fleisch, saisonales Gemüse, weniger Convenience-Produkte. Dafür zahlst Du mehr. Wer gelegentlich etwas Besonderes kochen will, ohne selbst im Feinkostladen einzukaufen, ist bei Marley Spoon richtig. Für den Alltag reicht HelloFresh.
Ein Punkt, der bei Kochboxen oft untergeht: Die Verpackung. Beide Anbieter schicken jede Zutat einzeln verpackt, dazu Kühlakkus und Isolierfolie. Pro Woche produziert eine Kochbox einen halben Müllsack Verpackungsmaterial. Wer Wert auf nachhaltiges Einkaufen legt, sollte das einkalkulieren.
eismann: Die Tiefkühl-Alternative
eismann ist ein Sonderfall. Der Anbieter liefert ausschließlich Tiefkühlkost: Fleisch, Fisch, Gemüse, Pizza, Desserts. Rund 700 Produkte, bundesweit, direkt an die Haustür. Ab 40 Euro ist die Lieferung kostenlos.
Der Vorteil: Vorratshaltung ohne Qualitätsverlust. Wer einmal im Monat für 80-100 Euro bei eismann bestellt, hat vier Wochen lang Fleisch, Fisch und Gemüse im Tiefkühler, ohne sich Gedanken über Haltbarkeit machen zu müssen. Für Berufstätige, die unter der Woche keine Zeit für den Supermarkt haben, ist das ein echtes Argument.
Die Preise liegen über dem Discounter-Niveau. Ein Kilo Hähnchenbrustfilet kostet bei eismann rund 14,99 Euro, beim Discounter bekommst Du das für 7-9 Euro. Dafür ist die Qualität merklich höher: portioniert, einzeln entnehmbar, oft aus artgerechter Haltung. Ob der Aufpreis das wert ist, hängt davon ab, was Dir bei Fleisch und Fisch wichtig ist. Beim Gemüse ist der Preisunterschied kleiner: Tiefkühlbrokkoli kostet bei eismann 2,49 Euro (450 g), beim Discounter 1,29 Euro. Der Qualitätsunterschied ist hier gering.
Für Neukunden gibt es aktuell 15 Euro Rabatt ab 30 Euro Bestellwert. Das macht die erste Bestellung zum guten Test, ob das Konzept zum eigenen Einkaufsverhalten passt.
Was keiner sagt: Die versteckten Kosten
Über Liefergebühren reden alle. Über drei andere Kostentreiber redet kaum jemand.
Erster Punkt: Der Impulseffekt. Wer im Supermarkt einkauft, sieht das Regal und greift gezielt zu. Wer online scrollt, legt schneller etwas in den Warenkorb, das nicht auf der Liste stand. Studien zeigen, dass Online-Lebensmitteleinkäufe im Schnitt 12-18 % höher ausfallen als geplant. Im stationären Supermarkt liegt der Impulsaufschlag bei 8-10 %. Der Unterschied sind 15-25 Euro pro Wocheneinkauf, die durch den Komfort des Klickens entstehen.
Zweiter Punkt: Substitutionen. Wenn Dein gewünschtes Produkt ausverkauft ist, schlägt der Lieferdienst eine Alternative vor: oft teurer, manchmal eine größere Packung. Wer nicht aufpasst und automatische Substitutionen aktiviert lässt, zahlt für Produkte, die er so nicht ausgewählt hätte. Konkret: Statt der Eigenmarken-Nudeln für 0,89 Euro landet Barilla für 1,79 Euro im Korb. Kein Drama, aber bei fünf Substitutionen pro Einkauf summiert sich das auf 4-5 Euro.
Dritter Punkt: Mindestbestellwert-Auffüllung. REWEs 50 Euro Mindestbestellwert zwingt Dich, den Warenkorb aufzufüllen, wenn Du eigentlich nur für 35 Euro einkaufen wolltest. Die letzten 15 Euro sind fast immer Produkte, die Du nicht dringend brauchst. Das passiert bei jedem zweiten Einkauf, wenn Du ehrlich bist.
Wann lohnt sich welcher Dienst?
REWE Lieferservice passt, wenn Du einen vollständigen Wocheneinkauf inklusive Frischware geliefert haben willst und in einem Liefergebiet wohnst. Der Service kommt dem stationären Einkauf am nächsten, kostet aber auch die höchsten Liefergebühren bei kleinen Bestellungen.
EDEKA24 oder myTime lohnen sich für den Getränke- und Vorratseinkauf. Alles, was schwer und haltbar ist, kommt per Paket. Für Frisches gehst Du weiterhin in den Laden. Diese Kombination spart am meisten Schlepperei pro Euro.
Knuspr ist der Favorit, wenn Du in München, Frankfurt oder Berlin wohnst und schnelle Frische-Lieferung schätzt. Komfortabel, aber kein Schnäppchen.
HelloFresh passt, wenn Dir das Kochen Spaß macht, aber die Planung nicht. Wer Versandkosten sparen will, wählt die größere Box.
eismann ist die Lösung für alle, die einen vollen Tiefkühler wollen, ohne jeden Samstag im Supermarkt zu stehen. Qualität über Discounter-Niveau, Preis unter dem Metzger.
infoDie ehrlichste Strategie: Kombiniere zwei Dienste. Getränke und Vorräte per EDEKA24 oder myTime (ab 75 Euro versandkostenfrei), Frisches beim lokalen Supermarkt oder per REWE. So sparst Du Dir das Kistenschleppen und behältst bei Lebensmitteln und Getränken die Kontrolle über Qualität und Preis.